1933: Zur Rolle des Zionisten Stephen Wise

Frage von Thomas Immanuel Steinberg zum Video-Interview mit 3 Mitgliedern von Neturei Karta

Sehr geehrter Herr Cabelman,

im Gespräch dreier Neturei-Karta-Anhänger mit Harold Channer vom 30. Dezember 2009 wird der zionistische Rabbi Stephen Wise erwähnt, der 1933 zum Boykott Deutschlands aufgerufen habe, siehe:

http://www.youtube.com/watch?v=Z9LZBN0brJ8&feature=player_embedded

Dieser Aufruf habe die Nazis in Zorn auf die Juden versetzt, und das habe dann weitere Judenverfolgung in Deutschland ausgelöst; im Video 44. und 45. Minute. Indes wurde Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler, und der Aufruf von Stephen Wise zur einer jüdischen Großveranstaltung im Madison Square Garden, New York City, erging am 12. März, die dann am 27. März 1933 stattfand, siehe:

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/The_Anti-Nazi_Boycott.html

Zu diesem Zeitpunkt liefen in Deutschland bereits heftige Angriffe auf Juden; die politischen Juden versteckten sich oder verließen das Land, so ein radikal-demokratischer Mitstreiter meines Vaters, Hans Keibel, dem mein Vater deshalb im Februar 1933 illegal die Flucht in die Schweiz ermöglichte.

Wie muß ich die Neturei-Karta-Äußerungen verstehen?

Herzliche Grüße, Thomas Immanuel Steinberg

 

Verehrter Herr Steinberg,

vielleicht stellt sich anhand Ihres Schreibens und meiner Antwort darauf  heraus, dass wir beide eventuell von unterschiedlichen Blickwinkeln aus auf die historischen Ereignisse vor der „Endlösung“ blicken.  Ich bin kein Opportunist, sondern fühle mich der Wahrheit verpflichtet, die von unseren Gelehrten während und nach dieser Zeit überliefert und von denen unser Blick darauf bestimmt ist. Für viele seien hier stellvertretend nur Rabbi Michoel Dov Weissmandl, Rabbi Elchonon Wasserman und vor allem der Satmar Rav, Joel Teitelbaum, auch namentlich genannt.

Die Provokationen vor allem der amerikanischen Zionisten gegenüber Hitler-Deutschland waren enorm, was nicht nur die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ in Zusammenarbeit mit dem „Reichsbund gesetzestreuer Synagogengemeinden in Halberstadt“ und der „Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland“ dazu veranlasste, einen direkten Brief an Hitler zu schreiben. Dieser Brief vom 4. Oktober 1933 liegt mir als Original-Kopie dank des Bundesarchivs vor. Dort heißt es:

„In dem Kampf gegen die jüdische Gemeinschaft spielt die Greuelpropaganda innerhalb der Deutschlands feindlichen Staaten eine wesentliche Rolle.(….). Die überwiegende Mehrheit der deutschen Judenheit hat von Beginn der Greuelpropaganda alles, was in ihren Kräften stand, getan, um diese beklagenswerten Erscheinungen zu verhindern. Wir könnten viele beglaubigte Tatsachen vorbringen, welche Schritte auf telegraphischem und brieflichem Wege von deutschen jüdischen Organisationen und von einzelnen geistlichen Führern bei unseren ausländischen Glaubensgenossen unternommen wurden. Wir haben sie energisch gebeten, darauf hinzuwirken, daß diese für Deutschland und also für das gesamte deutsche Judentum so schädliche Propaganda aufhöre. Als ein Beispiel unserer Intervention mag das folgende Telegramm dienen, das aus Berlin von dem Rabbiner der Berliner orthodoxen Gemeinde, Dr. Esra Munk, an den orthodoxen Rabbiner Jung in Newyork geschickt wurde. Es lautet folgendermaßen:

25.3.1933

Rabbi Jung, Newyork, 131 West 86th Street.

Die den Tatsachen grell widersprechenden Meldungen über Greuel-Exzesse gegen die Juden Deutschlands veranlassen mich in Uebereinstimmung mit allen Kollegen an Sie als den langjährigen Freund, den Besucher hiesiger Hochschulen und Kenner des deutschen Volkes den Appell zu richten, mit nachdrücklicher Entschiedenheit solche Berichterstattung als sträflich, weil wahrheitswidrig zu brandmarken, als ungeheure Uebertreibung von Ausschreitungen Einzelner in der Wahlzeit. Sorget ungesäumt für weitgehendste Benachrichtigung in den amerikanischen Montagszeitungen im Sinne des Telegramms.“

Warum jetzt diese Eile, „ungesäumt für weitgehendste Benachrichtigung in den amerikanischen Montagszeitungen“ zu sorgen? Doch selbstverständlich deshalb, um ein Gegengewicht zur zionistischen Propaganda und der damit einhergehenden Vorbereitung der „antideutschen Boykottdemonstrationen“ zwei Tage später zu schaffen!

Die Führerschaft des deutschen orthodoxen Judentums wollte weitere ausländische Provokationen gegen Hitler-Deutschland verhindern helfen, um die Lage der Juden in Deutschland nicht noch zu verschlimmern. Aus jüdischer Sicht in jeder Hinsicht eine völlig korrekte Vorgehensweise. Der zionistischen Strippenzieherei und dem ständigen „Öl ins bereits brennende Feuer gießen“ – auch hinter den Kulissen – musste man damals schon etwas entgegensetzen. Doch leider war das orthodox-antizionistische Judentum bereits zu dieser Zeit sehr geschwächt.

Weiter im Brief der „Freien Vereinigung“ etc., woraus genau dieses Ansinnen deutlich hervorgeht:

„Dieses Telegramm wurde zur Gegenwirkung gegen die für Montag, den 27. März in Newyork geplante Demonstration vor der Ankündigung und Durchführung des Boykotts in Deutschland abgesandt. Aber weder es, noch unsere anderen Schritte haben die schweren Tage ferngehalten, da die gesamte jüdische Bevölkerung demonstrativ einer allgemeinen öffentlichen Verachtung preisgegeben wurde. Wir könnten manche Beweise unserer Einwirkung auf die internationale öffentliche Meinung zu Gunsten Deutschlands vorlegen, – insbesondere seien auf die fortgesetzten Bemühungen des in Deutschland domizilierenden Präsidenten der orthodoxen Welt-Organisation „Agudas Jisroel“ in der holländischen, englischen und amerikanischen Presse und die erfolgreiche Intervention der gleichen Organisation zur Verhinderung des in Polen beabsichtigten religiösen Bannes auf deutsche Waren hingewiesen -, aber es wäre nicht ehrlich, wenn man im Augenblick behaupten wollte, daß in der Welt eine Beruhigung eingetreten sei, daß im Auslande – allerdings in weniger aktiver Art und Weise – der Boykott deutscher Waren seitens der antideutschen Propaganda nicht fortgesetzt würde. Unbestreitbar ist auch die Tatsache, daß die Agenten der zweiten und dritten Internationale sich häufig unter der Maske des Judentums verbergen und eine gegen Deutschland gerichtete Schädlingsarbeit betreiben, daß sie fälschlich vor der Weltöffentlichkeit als unsere Freunde und Verteidiger auftreten. Auf diese Gefahr haben wir unsere ausländischen Glaubensgenossen wiederholt aufmerksam gemacht.“

Verehrter Herr Steinberg, verzeihen Sie, dass ich so lange aus diesem Brief zitiert habe! Doch um das Gesamtbild und die Position des deutschen orthodoxen Judentums, in dessen Tradition wir stehen, zur damaligen Zeit deutlich machen zu können, war dies unerlässlich. Dies muss ich auch auf die Gefahr hin so formulieren und zitieren, dass es eventuell nicht in Ihre „Weltanschauung“ oder Ihr Geschichtsbild passen sollte.

Edwin Black in seinem Buch „The Transfer Agreement“ und Tom Segev in seinem „Seventh Million“ geben über diesen gesamten Sachverhalt auch genügend Informationen.

Ein kleiner Ausschnitt von Black: „With the appointment of Adolf Hitler, the moment was ripe for a hateful alliance; Nazis and Zionists working in concert for a Jewish exodus. In the first month of 1933, German Zionists knew they faced either total demise or ultimate vindication. So, in a bold move, the ZVfD launched a two-sided campaign: first, to convince the Nazis to regocnize Zionism as the custodian of Germany’s Jews; second, to convince Germany’s Jews to admit that yes, German Jewry belonged in Palestine.“

Sie sehen alleine schon daran, wie sich das Szenario von damals mit dem heutigen vor allem diesbezüglich gleicht.

Black schreibt weiter: „On January 31, 1933, within 24 hours of Hitler’s appointment, the ZVfD newspaper, Juedische Rundschau, asserted that the defense of Jewish rights could be waged only by Zionists, not mainstream Jewry. After the May 10 Nazi book burnings, Juedische Rundschau mourned the loss as did all Jews, but could not resist publicly labeling many of the Jewish authors „renegades“ who had betrayed their roots. The anti-assimilationist barrage continued weekly with the Zionist aspersion sounding painfully similar to the Nazi descrediting the German citizenship of Jews.

It became that much harder for German Jews to defend against Nazi accusations of illegitimate citizenship when a loud and visible group of their own continually published identical indictments“ .

Im Laufe des Jahres 33, beginnend gleich nach dem Reichtagsbrand, wurden ungefähr 600 Zeitungen verboten. Eine Ausnahme war: Die „Jüdische Rundschau“ der ZVfD, die weiterhin auch offiziell im Straßenverkauf angeboten wurde. Erst im gleichen Jahr wurde in allen jüdischen Schulen „Modern-Hebräisch“ als Fach angeboten, 1935 wurden für zionistische Jugendverbände Uniformen erlaubt und als die Nürnberger Rassengesetze den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft nahm und somit auch das Hissen der deutsche Fahne verbot, erlaubte man ihnen im Gegenzug jedoch das Hissen der zionistischen Flagge.

Doch diese letzten Punkte nur am Rande.

Reb Moshe Schonfeld s.A. schreibt in seinem Buch „Holocaust Victims Accuse“ bezugnehmend auf Rabbi Michoel Dov Weissmandls Anklageschrift gegen die Zionisten „Min HaMeitzar“:

„Wisliceny, Eichmann’s representative in Slovakia and the man with whom Rabbi Weissmandl negotiated successfully to stop the expulsion of Slovakia’s Jews, related that the German ambassador to the United States sent to Hitler the minutes of the Conference of Zionist leaders and the World Jewish Congress in New York. At this conference, Stephen Wise, in the name of the entire Jewish people, declared war against Germany.“

Im gesamten Kapitel 4 schreibt Moshe Schonfeld ungeheuerliche Fakten über die zionistischen Intrigen eines Stephen Wise.

Nehmen wir einmal an, der iranische Präsident wäre wirklich „der neue Hitler“, wie die Zionisten behaupten. Das ist natürlich propagandistischer Unfug, wie wir beide wissen und darüber hinaus eine faktische Relativierung des Holocaust. Doch wenn jemand ständig, dazu noch im Namen des Judentums, provoziert, geärgert und bedroht wird, kann man eine antijüdische oder antisemitische Entwicklung ja nicht völlig ausschließen. Nichts spricht augenblicklich dafür, doch dies ist nicht zuletzt auch der klaren pro-iranischen Positionierung der iranischen Juden selbst sowie – und dies schreibe ich in aller Bescheidenheit – den fortwährenden Bemühungen von Neturei Karta in diesem Zusammenhang zu verdanken.

Jene, die heute nicht nur den Iran, die Palästinenser, die arabischen Nationen und im Grunde die ganze Welt „ärgern“ sind in jeglicher Hinsicht die ideologischen Nachkommen eines Stephan Wise, Weizman, Gurion, Meir und wie sie alle hießen. WJC, AJC, WZO, AIPAC, ZdJ spielen in Zusammenarbeit mit den Zionisten in Palästina das gleiche Spiel wie vor dem 2. Weltkrieg und ihnen allen ist auch gemeinsam, was ihren Vorgängern schon gleichgültig war, nämlich das Schicksal der Juden – vor allem der religiösen – in anderen Ecken des Erdenrunds. Uns hingegen nicht!

Mit einigen Worten des eingangs erwähnten Rabbi Joel Teitelbaum, dem Satmar Rebbe, will ich enden:

„Everyone ignores the fact that it has been these Zionist groups that have attracted the Jewish people and have violated the Oath against establishing a Jewish entity before the arrival of the Messiah. It is because of the Zionists that six million Jews were killed. The fact is that this is the bitter punishment stipulated in the Talmud…. (Tractate Ketuboth, p. 111), which results in the payment of a spiritual and physical debt from the Jewish People. Afflictions and tribulations only appear in this world because of the wicked, and the punishment is meted out first upon the righteous. However the Zionists have committed horrible actions; that they have always slandered and spoken libelously against the Jewish People to other nations, and have even inciting non-Jewish leaders against the Jewish People to convince them to expel Jews from their countries. The Zionists believed that this strategy would make it easier to take over the Holy Land and establish their State there.“

Mit freundlichem Gruß

Reuven J. Cabelman

Eine Antwort to “1933: Zur Rolle des Zionisten Stephen Wise”

  1. Anonymous Says:

    Sehr geehrter Herr Steinberg! Sehr geehrter Herr Cabelman!

    Die obige Darstellung, in Frage und Antwort ,erscheint mir ehrlich,
    gut belegt und gibt Zeugnis von der Liebe zum Jüdischen Geist-Volk. Sie offenbart dabei aber auch Achtung zu den anderen Völkern und Verantwortung für den Frieden zwischen den Völkern .
    Was ist nötiger in einer Zeit, in der die Massen des ungedeckten Geldes vom Satan mit Lüge und Betrug zur Erzeugung von Feindschaft , Mord und Krieg zwischen den Menschen und den Völkern benutzt werden.
    Danke

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