Weiter in der Debatte zu Stephen Wise

In der Debatte um die Rolle von Stephen Wise in den 30er Jahren erreichte uns die Zuschrift eines Lesers, die wir hier wiedergeben und beantworten:

Leser:

Wenn sich Juden in der ersten Zeit nach Hitlers „Machtergreifung“ versteckten oder sich ins Ausland absetzten, dürfte das im Wesentlichen weder an ihrer religiösen noch an ihrer kulturellen Orientierung gelegen haben, sondern daran, dass sie Kommunisten, Sozialdemokraten oder sonstige engagierte Nazi-Gegner waren. Denn diese Gruppen traf die Verfolgung in den ersten Monaten nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler bei weitem am Härtesten. Ich bezweifle, ob in dieser Zeit irgendein Jude „als solcher“, einfach nur wegen seines Jude-Seins, eingesperrt wurde. Und wenn, dann war es die Ausnahme.

Antwort:

Das beurteile ich genauso. Es waren vor allem die „Politischen“, die bereits im März in einer Verhaftungswelle in verschiedene KZ’s und Gefängnisse verschleppt wurden. Juden und Nichtjuden gleichermaßen.

Leser:

Andererseits … gab es schon im März einzelne gewalttätige Angriffe des Nazi-Mobs auf Juden, örtlich – vor allem anscheinend in Berlin – auch schon gezielte Entlassungen von Juden…

Antwort:

Auch dies ist sicherlich so richtig.

Leser:

Sodann … : Goebbels hat in seinem Tagebuch unter dem Datum 26. März 1933 bereits Hitlers Entscheidung zum „Juden-Boykott“ notiert. Also am Tag vor der Großkundgebung …. Und schon unter dem Datum 24. März hatte Goebbels notiert: „Die Greuelpropaganda im Ausland macht uns viel zu schaffen. Die vielen aus Deutschland emigrierten Juden verhetzen das ganze Ausland gegen uns.“

Antwort:

„Die Greuelpropaganda im Ausland machte uns viel zu schaffen. Die vielen aus Deutschland emigrierten Juden verhetzen das ganze Ausland gegen uns.“ Auch das ist für unseren Zusammenhang eine wesentliche Aussage von Goebbels, die belegt, dass die nationalsozialistische Führung diese Dinge sehr sorgfältig beobachtete und entsprechend darauf reagierte oder agierte. Es kommt hier nicht darauf an, wer „angefangen“ hat, sondern darum, dass durch die politisch „aggressivere“ Vorgehensweise im Ausland weiteren Angriffen auf die in Deutschland verbliebenen Juden zusätzliche Nahrung gegeben wurde. Und genau dies versuchten die „besonnenen“ orthodox-jüdischen Kräfte oder auch die Liberalen um Leo Baeck zu verhindern.

Baeck schrieb beispielsweise: „Die nationale deutsche Revolution, die wir durchleben, hat zwei ineinander gehende Richtungen: den Kampf zur Überwindung des Bolschewismus und die der Erneuerung Deutschlands. Wie stellt sich das deutsche Judentum zu diesen beiden? Der Bolschewismus ist, zumal in seiner Gottlosenbewegung, der heftigste und erbitterste Feind des Judentums, die Ausrottung der jüdischen Religion ist in seinem Programm. Ein Jude, der zum Bolschewismus übertritt, ist ein Abtrünniger. Die Erneuerung Deutschlands ist ein Ideal und eine Sehnsucht innerhalb der deutschen Juden. Mit keinem Lande Europas sind Juden in jahrhundertelanger Geschichte so tief und so lebendig verwachsen wie mit Deutschland. Keine Sprache Europas bedeutet für sie so viel wie die deutsche.“

Derlei Worte werden einem Marxisten sicherlich nicht gefallen, doch sind sie für den Zusammenhang, den wir herausarbeiten wollen, von Bedeutung. Nicht zuletzt der antireligiöse Bolschewismus war es doch, der die Juden in Sowjetrussland so schwer heimsuchte und es waren nicht zuletzt die „jüdischen“ Führer des Bolschewismus, die dem Judentum offen den Krieg erklärt hatten. Unter diesem Eindruck stand das deutsche Judentum doch gerade noch in den 30er Jahren.

Leser:

… dass die Organisation jüdischer Kriegsteilnehmer in den USA schon am 19. März zum Boykott gegen Deutschland aufgerufen hatte. Ich vermute mal, dieser Verband hat den Auftakt gemacht.

Antwort:

Auch dies ist richtig.

Leser:

Ich denke, jenseits aller Überlegungen über politische Strategien war es selbstverständlich das Recht jüdischer Organisationen – und keineswegs nur solcher – zu einem Boykott gegen Deutschland aufzurufen. Und selbstverständlich rechtfertigte das keinerlei kollektive Schikanen oder gar Gewalttaten gegen deutsche Juden. Judenfeindliche Maßnahmen großen Stils, das war im Parteiprogramm der NSDAP seit Jahren angekündigt, darauf drängten erhebliche Teile der „Basis“ der Partei und ihres Umfelds nach der Inthronisation Hitlers durch Hindenburg. Die chronologische Abfolge der Ereignisse ist vor diesem Hintergrund sekundär, geradezu irrelevant.

Antwort:

Nach weltlich-bürgerlichem Verständnis war es zweifelsohne ein Recht. Doch die Frage stellt sich – jedenfalls für uns – so nicht. Wir gehen von einem Blickwinkel der Thora und deren Vorschriften an dieses Thema heran und nicht vom Standpunkt nicht-jüdischer Vorstellungen von politischen Rechten. Die chronologische Reihenfolge ist sicherlich sekundär, zumal ein Ereignis das andere jagte. Doch als irrelevant würde ich es dennoch nicht beurteilen wollen.

Deshalb noch einmal zu Goebbels Aussage in seinem Tagebuch: Die Nazis tobten wegen der Boykottankündigungen aus Amerika, England, Polen, Argentinien, Brasilien und und und. Hitler verstand dies als „Kriegserklärung“, heute würde man es wahrscheinlich als „Wirtschaftskrieg“ bezeichnen. Nicht nur deshalb war er doch etwa zur gleichen Zeit so darauf erpirscht mit den in Palästina ansässigen Zionisten ins Geschäft zu kommen, die wiederum ihrerseits von den Boykottmaßnahmen nichts hielten, sie sogar sabotierten und mit Hitler-Deutschland einen regen Warenaustausch und Geldverkehr betrieben.

Diese Dinge kennzeichnen vor allem den inner-zionistischen Konflikt zu jener Zeit, auf den Edwin Black im bereits erwähnten Buch „The Transfer Agreement“ bis in tiefe Details gehend, abhebt. In der Konsequenz jedoch liefen beide Strategien dieser Fraktionen des Zionismus auf ein und dasselbe Ziel hinaus: Das Leben für die Juden in Deutschland soweit unerträglich zu gestalten, dass sie sich für eine Auswanderung nach Palästina entscheiden sollten!

Das Haavara-Abkommen war deshalb letztlich eine gezielt gewollte Konsequenz der Spirale aus Druck und Gegendruck, ein „Lösungsweg“ im Interesse der Zionisten und der Nazis, nämlich Deutschland „judenrein“ zu bekommen. Nicht umsonst durfte und sollte das „Palästina-Amt“ bis ins Jahr 1941 agieren können, was die Zionisten heutzutage als „Hilfsorganisation“ bezeichnen.

Black schreibt hierzu beispielsweise: „In the minds of Zionists, Jewish life in Germany could not be saved, only transferred. Even if Hitler and the German economy were crushed, Jewish wealth in Germany would be crushed with it. The wealth had to be saved. Through the speedy liquidation and transfer of that wealth, the Jewish Homeland could be built, thus creating the refuge needed for a mass transfer of the people. Zionism had declared from the moment of Herzl that anti-Semitic regimes were not to be opposed. They were to be cooperated with in the transfer of Jews and their assets.“

Wenn man sich durch die von Black penibel aufgeschlüsselten Details dieses Abkommens und seines Zustandekommens durcharbeitet, bekommt diese eben zitierte Aussage von ihm nicht nur ihren entscheidenden Stellenwert im Gesamtkomplex der Jahre der Nazi-Diktatur, sondern bringt die in Wahrheit Juden verachtende Strategie der Zionisten ans Licht, die im Juden nur das „Menschenmaterial“ für den Aufbau des zionistischen Staates und als dafür einsetzbare Verhandlungsmasse erblickt. Und diese Strategie ist es auch, die von Herzl bis heute Programm der national-zionistischen Bewegung auf allen Kontinenten der Welt geblieben ist. Die Nazi-Zeit bildet hier keine Ausnahme, sondern war ganz im Gegenteil DIE entscheidende Generalprobe zur Umsetzung dieser Langzeitstrategie, zumal in einer Industrienation und innerhalb eines in seiner Mehrheit „aufgeklärten“ und Vaterlands-treuen deutsch-jüdischen Bildungsbürgertums, das dazu noch über entsprechend hohe finanzielle und materielle Ressourcen verfügte. Nicht umsonst haben die USA heute diesbezüglich oberste Priorität bei den Zionisten, denn alle sogenannte „Aliyah“-Kampagnen sind nicht nur, aber vorwiegend auf die Juden Amerikas ausgerichtet.

Der Zionismus braucht die Antisemiten wie die Luft zum Atmen. Ohne sie kommt er nicht zu seiner „Endlösung des Judenproblems“. Beide ergänzen sich gegenseitig vorzüglich. In Gesellschaften wo kein oder nur wenig Antisemitismus existiert, wird er stimuliert und provoziert. Das war nach dem 2. WK im Irak (Naeim Giladi: „The Jews of Iraq“), im Jemen, in Marokko, in Syrien und dem Libanon so, das soll im Iran und auch in Europa (speziell Frankreich) nicht anders sein.

Leser:

Maßgebliche Teile und Vertreter der deutschen Juden fanden die Reaktionen im Ausland, insbesondere auch die Boykott-Aufrufe, nicht gerade hilfreich und wandten sich gegen diese. Auch das war, denke ich, ihr Recht. Sie standen unter schwerem Druck, auch wohl unter persönlichen Drohungen, hatten andererseits Zusicherungen von NS-Politikern wie Göring, dass wesentliche Rechte der Juden in Deutschland gewahrt bleiben würden. Einige waren zudem so deutschnational, dass sie vielleicht am liebsten mitmarschiert wären, wenn ihnen dies nicht als Juden verwehrt worden wäre.

Antwort:

Auch damit gehe ich da core.

Leser:

Was jedenfalls meiner Ansicht nach absolut nicht angeht, ist die Berufung Cabelmans auf diese damaligen Stimmen als Indiz oder Beweis, dass irgendwelche Juden die judenfeindlichen Maßnahmen des NS-Staates (und womöglich sogar Verfolgung und Vernichtung) „provoziert“ hätten. Damit liefert er genau das, was Zionisten und Hilfszionisten nicht nur ihm, sondern uns vorwerfen.

Antwort:

Warum geht das „absolut nicht“? Nicht nur die historischen Indizien und Beweise liegen auf dem Tisch, sondern auch unsere rabbinischen Aussagen diesbezüglich. Und vor allem an Letztere werde ich mich zu halten wissen, denn diesen vertraue ich. Dass die „Zionisten und Hilfszionisten“ das nicht hören wollen, sie ihre ganz eigene Geschichtsschreibung haben, sollte nun wirklich nicht wundern und auch niemanden davon abhalten, gerade für die Zionisten unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Wer vor zionistischen „Vorwürfen“ zurückschreckt, hat bereits verloren und sollte nicht in den Ring steigen.

Es geht nicht darum, die Mörder freizusprechen, wie nur böswillige Verleumder behaupten können, sondern auch die Komplizen zu enttarnen, historische Mitverantwortung dort aufzudecken, wo sie existiert, und vor allem den Zionisten entgegengesetzt, dem Weg der Thora und unserer Weisen und Propheten zu folgen.

Eine Antwort to “Weiter in der Debatte zu Stephen Wise”

  1. Frieden Says:

    Alles Gute… es ist erstaunlich wie wenig ich weiß. Danke.

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